Die 60er und 70er Jahre

Zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts im Fokus

September 1972

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Geiselnahme von München

Die Geiselnahme von München wird oft auch als Olympia-Attentat oder im nicht deutschsprachigen Ausland sinngemäß als München-Massaker oder Massaker von München bezeichnet. Es handelt sich dabei um den Angriff palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft während der Olympischen Sommerspiele von 1972 in München. Die palästinensische Terrorgruppe Schwarzer September nahm elf Athleten der israelischen Mannschaft als Geiseln. Zwei der Geiseln wurden bereits bei der Geiselnahme ermordet, bei einem gescheiterten und unzulänglichen Befreiungsversuch der deutschen Behörden wurden alle anderen Geiseln, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen getötet. Insgesamt kamen somit in München und am Flugplatz Fürstenfeldbruck 17 Menschen ums Leben, bei israelischen Vergeltungsaktionen wiederum einige weitere direkt und indirekt an dem Anschlag Beteiligte in den Jahren nach 1972.

 Um 4:10 Uhr am Morgen des 5. September 1972 kletterten acht Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September über den Zaun bei Tor 25A und betraten das Olympische Dorf. Sie drangen in das Appartement der israelischen Olympiamannschaft in der Connollystraße 31 ein. Die mit Sturmgewehren vom Typ AK-47 bewaffneten Geiselnehmer hatten keine Mühe, die israelischen Sportler zu überwältigen, da diese die Türen nicht abgeschlossen hatten und die Sicherheitsbedingungen während der Olympischen Spiele bewusst locker gehalten wurden, um die positive Veränderung zu demonstrieren, die sich in Deutschland seit den Olympischen Spielen 1936 vollzogen hatte. Die Terroristen nahmen elf Geiseln: David Mark Berger, Ze’ev Friedman, Joseph Gottfreund, Eliezer Halfin, Joseph Romano, André Spitzer, Amitsur Schapira, Kahat Schor, Mark Slavin, Jaakov Springer und Moshe Weinberg. Weinberg und Romano wurden gleich zu Beginn der Aktion verwundet. Weinberg wurde wenig später bei einem Fluchtversuch erschossen. Romano starb etwa zwei Stunden nachdem er angeschossen wurde an seinen Verletzungen, da kein Arzt zu ihm gelassen wurde.

Die Terroristen verlangten bis 9:00 Uhr morgens die Freilassung und das freie Geleit von 232 Palästinensern, die in israelischen Gefängnissen ihre Haft verbüßten, sowie die Freilassung der deutschen Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof und des japanischen Terroristen Kozo Okamoto. Israel lehnte die Erpressung ab, um nach Aussage von Ministerpräsidentin Golda Meir nicht für alle Zukunft das Leben israelischer Staatsbürger im Ausland zu riskieren.
Der Bürgermeister des Olympischen Dorfes Walther Tröger, NOK-Präsident Willi Daume, Polizeipräsident Manfred Schreiber, der Sicherheitschef der XX. Olympischen Spiele, der bayerische Innenminister Bruno Merk und auch der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher boten sich den Terroristen als Ersatzgeiseln an. Dies wurde jedoch nicht akzeptiert.

Eine Viertelstunde vor Ablauf des ersten Ultimatums wurde mit den Terroristen eine Verlängerung um drei Stunden ausgehandelt. Als dieses Ultimatum ablief, verhandelte der Krisenstab erneut mit dem Anführer der Terroristen, der sich „Issa“ nannte. Mit Hilfe eines Abgesandten der Arabischen Liga und des Missionschefs der ägyptischen Delegation gelang es, das Ultimatum um weitere fünf Stunden bis 17 Uhr zu verlängern. Die Terroristen hatten unterdessen aus Radio und Fernsehen vom Aufmarsch der Polizei erfahren, die eine Befreiungsaktion geplant hatte. Man hatte versäumt, den Terroristen den Strom abzustellen und die Presse aus dem Olympischen Dorf entfernen zu lassen. Die Befreiungsaktion musste deshalb ausgesetzt werden.

Danach verlangten die Terroristen, nach Kairo ausgeflogen zu werden. Die deutschen Verhandlungspartner gaben vor zuzustimmen. Zwei Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes (BGS) transportierten die Terroristen und ihre Geiseln zum nahe gelegenen Flugplatz Fürstenfeldbruck, wo eine Boeing 727 vollgetankt und mit laufenden Triebwerken auf sie wartete.

Die deutschen Polizeibehörden planten, die Terroristen am Flughafen anzugreifen. Dort befanden sich jedoch nur fünf Scharfschützen, da nur von fünf Geiselnehmern ausgegangen worden war. Tatsächlich waren es insgesamt jedoch acht. Es befand sich auch noch ein Freiwilligenkommando der Polizei (bestehend aus normalen Streifenpolizisten) – getarnt als Crew – im Flugzeug. Das Kommando beendete nach Abstimmung die Aktion eigenmächtig und kurzfristig, da sich die Mitglieder für nicht ausreichend ausgebildet hielten. Die auf dem Dach des Flughafengebäudes und auf dem Rollfeld postierten Polizeibeamten waren nicht als Präzisionsschützen ausgebildet. Man hatte sie nur notdürftig mit ausgesuchten Sturmgewehren vom Typ G3 ausgestattet, obwohl die Münchner Polizei 1972 bereits Scharfschützengewehre in ihre Beständen führte. Allerdings waren damals noch keine eigenen Scharfschützen ausgebildet. Die Bereitstellung von Panzerfahrzeugen war völlig versäumt worden. Erst während der folgenden zweistündigen Schießerei wurden sie als Verstärkung gerufen. Sie trafen allerdings wegen des starken Verkehrs und der vielen Schaulustigen erst eine Stunde später, als die Kämpfe fast vorbei waren, ein.

Zwei der Terroristen, die sich selbst „Issa“ und „Tony“ nannten, stellten fest, dass sich keine Crew an Bord befand. Gegen 23:00 Uhr, als sie zu den Hubschraubern zurückeilten, eröffneten die Scharfschützen das Feuer. In diesem Moment schaltete die Polizei große Scheinwerfer ein und bestrahlte damit das Rollfeld. Die Terroristen ihrerseits beschossen die Scheinwerfer. Die Scharfschützen hatten keinen Funkkontakt zueinander und schossen ohne Zielabsprache. Zudem hatten sie weder Nachtsichtgeräte noch Helme. So wurde mit der ersten Salve nur ein Terrorist getroffen, nämlich der stellvertretende Kommandoführer, der mit „Issa“ zuvor das Flugzeug kontrolliert hatte. „Issa“ ließ den Verletzten liegen und gelangte zurück zu den übrigen Terroristen. Drei von ihnen begannen, verdeckt hinter den Hubschraubern und außerhalb des Sichtfelds der Scharfschützen, das Feuer zu erwidern. Der Kampf zog sich über 45 Minuten hin, bis die aus München angeforderten Panzerfahrzeuge der Polizei eintrafen.

Durch den Anblick der Panzerfahrzeuge wurde einem der Terroristen die Ausweglosigkeit der Entführung offensichtlich bewusst. Er eröffnete das Feuer auf die wehrlosen Geiseln des ersten Hubschraubers und gab damit zwei anderen Terroristen die Gelegenheit, aus der Deckung aufzutauchen. Er sprang aus dem Hubschrauber und ermordete mit einer Handgranate die Geiseln im Hubschrauber. Alle drei Terroristen starben durch die Schüsse der Scharfschützen. Die anderen fünf Geiseln im zweiten Hubschrauber wurden während des Kampfes ebenfalls getötet.

Die beiden Hubschrauber sollten mit den Türen zum Tower landen, damit alle fünf Scharfschützen ein freies Schussfeld hatten. Aus unbekannten Gründen landeten beide Helikopter mit der Schnauze zum Tower, wodurch der fünfte Scharfschütze im Schussfeld von Schütze eins, zwei und drei lag. Er hatte deshalb bislang nicht in den Kampf eingegriffen. Außerdem lag er völlig ungedeckt ohne Helm und Schutzweste hinter einer knöchelhohen Mauer auf dem Rollfeld, die Hubschrauber und die Terroristen zwischen sich und seinen Kollegen. Um von diesen nicht irrtümlich beschossen zu werden, gab er während der Aktion keinen Schuss ab. Erst als ein flüchtender Terrorist versehentlich direkt auf ihn zulief, tötete er diesen durch einen Kopfschuss. Dadurch aber erregte er die Aufmerksamkeit der frisch eingetroffenen Polizeiverstärkung, welche die Positionen der eigenen Scharfschützen nicht kannte. Für einen der Entführer gehalten, wurden er und ein neben ihm Schutz suchender Hubschrauberpilot unter „Friendly Fire“ genommen und schwer verletzt.

Die Aktion endete im Fiasko: Sämtliche Geiseln starben, der an der Schießerei unbeteiligte bayerische Polizeiobermeister Anton Fliegerbauer, der das Geschehen von einem Erdgeschossfenster des Flughafentowers beobachtet hatte, wurde durch eine verirrte Kugel tödlich am Kopf getroffen. Der Bundesgrenzschutz-Pilot Gunnar Ebel, Hauptmann im BGS, der als Verbandsführer einen der beiden Hubschrauber vom Typ Bell UH-1D flog, musste mit schweren Verletzungen, die ein Geschoss verursacht hatte, ins Krankenhaus.

Die Untersuchung der bayerischen Polizei schloss nicht aus, dass einige der Geiseln versehentlich von der Polizei erschossen worden sein könnten. Genauso ist es möglich, dass einer der Terroristen alle Geiseln erschoss. Eine definitive Aufklärung des Falles konnte wegen der stark verbrannten Körper nicht durchgeführt werden.

Die drei überlebenden Geiselnehmer wurden nie vor Gericht gestellt. Sie wurden wenige Wochen später gegen Passagiere und Besatzung der entführten Lufthansa-Maschine „Kiel“ ausgetauscht. Im Nachhinein wurden jedoch viele der vermeintlichen Drahtzieher und Beteiligten in einer Reihe israelischer Geheimdienstaktionen von der eigens gebildeten Sondereinheit Caesarea getötet, unter ihnen offenbar auch zwei der drei überlebenden palästinensischen Geiselnehmer.
Quelle:wikipedia.de

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