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Der schwere Weg zum Klassiker
Da stehen sie nun. Im rauen Osthafen Frankfurts, unter ihnen der Main, die Skyline im Rücken – und wollen nicht so recht zueinander passen. Der eine Typ Asphalt-Cowboy, im ledernen Biker-Outfit und schon eher rund, der andere voll in Lack und Chrom, kantig und total blau.
Aber trotzdem ein Team, seit fünf Jahren, tagein, tagaus. Immer gemeinsam im Dienst, ein “Fall für zwei”. In den Hauptrollen: Bernd Niemeyer und sein 79er Ford Granada 2.0 GL. Ein Mann, ein Ford. Aber bitte die alten, die echten Kölner mit Kanten. Aus der Zeit, bevor in Merkenich für alle die Heckklappe fiel, der Taunus Sierra und der Granada Scorpio hieß. Aus der Zeit also, da alte Ecken statt New Edges die Bauweise bestimmten. “Der Scorpio war der Anfang vom Ende”, findet Niemeyer. “Danach wollten alle Autos bei Ford europäisch sein, der Granada war eher Amerikaner.” Und: “Mit ihm hört eine Ära auf, und deswegen will ich ihn erhalten.”
So wie er denken nicht viele. Eigentlich kaum einer. Noch nicht einmal im 80 Mitglieder starken Granada Club Deutschland, und da ist der 38-Jährige immerhin Ansprechpartner für den Großraum Frankfurt (069-46 99 97 39). Bernd Niemeyer lebt das Thema Ford in allen Zeichensetzungen: Pflaume auf der Armbanduhr, auf der Jacke, auf dem Kuli, auf dem Handy, Pflaume in der Vitrine daheim und im Herzen. Ford-Liebhaber und Verfechter des Originalen: Schonbezüge und Wackeldackel statt Südstaatenflagge und verchromten Differenzial-Deckel.
Ein Mann auf einer Mission: “Für den Granada II interessiert sich keiner, obwohl er der letzte echte große Ford aus Deutschland war. Der Einser wird gesammelt, der Zweier immer noch geschreddert.”
Einsatz in Mainhattan
So erging es vielen Granada bis Mitte der 90er. Die barock geblähten Vorgänger, noch viel mehr vom amerikanischen Styling beeinflusst, fuhren in Sammler-Garagen, die Nachfolger zum Verwerter. Wer nicht auf dem Autoput sein Leben ließ oder ein Ende in siebter Hand der Nachwuchs-Rockband fand, kam in die Presse. So wurden aus großen Kisten kleine Würfel. Von Ford gefördert. Motto: Fort mit der Vergangenheit. Bis zu 3000 Mark war den Kölnern jedes Ableben wert.
Einer aber sprang dem Verwerter 1996 vom Haken. Direkt in die hütenden Hände von Bernd Niemeyer, früher Maler und heute nach einem Rückenleiden Frührentner. “Die Witwe hatte den Wagen über Jahre aufgehoben, weil er ihrem verstorbenen Mann gehörte. Dann wurde er ihr zu groß, konnte nicht mehr einparken. Für 3000 Mark habe ich ihn übernommen, so viel hätte sie auch fürs Verschrotten bekommen.” Da stand er nun: 17 Jahre und 53.000 Kilometer jung. Jetzt stehen 120.000 Kilometer auf der Uhr, jeden Tag kommen ein paar hinzu, jetzt gerade wieder. Langsam schaukeln wir durch die Straßen von Frankfurt. Einsatz in Mainhattan.
Jede Kurve ein Verneigen vor vergangener Fahrwerkstechnik, jeder Tritt aufs Gaspedal eine gusseiserne Geduldsprobe. Beschleunigung mit drei Gängen und in zwei Stufen: Erst wird es lauter, dann irgendwann auch schneller. Der Zweiliter-V6 da vorn, wo die hellblaue Haube mit dem Horizont verschmilzt, will weder drehen noch drücken. Er ist einfach da. 90 PS auf dem Papier, das meiste bleibt im Wandler der Dreigangautomatik stecken.
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